Leitidee unseres Entwurfes
Den Entwurf verstehen wir als zeitgenössische Interpretation des historischen Gartenflügels – nicht als eine Rekonstruktion, sondern als Weiterbau im historischen Kontext. Ziel ist die Entwicklung eines Ortes, der die Tradition der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften als Raum des interdisziplinären Austauschs räumlich abbildet. Sowohl räumlich, als auch konzeptionell, steht dabei ein Bild im Zentrum des Entwurfs: der Schreibtisch Albert Einsteins nach seinem Tod – ein Ort, der nicht abgeschlossen wirkt, sondern als Moment innerhalb eines fortlaufenden Denkprozesses gelesen werden kann. Dieses Bild wird in die räumliche Mitte der Wissenschaftslounge übersetzt und fungiert als konzeptioneller Anker. Es ist Einladung und Haltung zugleich: sich an den Tisch eines der prägenden Gestalten der Institution zu setzen und das Begonnene weiterzuführen.
Die Wissenschaftslounge wird so zu einem Ort des Weiterarbeitenens – ein Raum, der nicht nur Austausch ermöglicht, sondern Kontinuität im Denken räumlich erfahrbar macht. Der Entwurf begreift dabei nicht nur das Gebäude, sondern die Raumstruktur selbst als Ausdruck von Dialog. Als fehlendes Bindeglied schließt der Neubau die bestehende Gebäudefigur und vermittelt zwischen den angrenzenden Flügeln. Es entsteht eine räumliche Kontinuität, die vorhandene Strukturen aufnimmt und weiterentwickelt.
Ein offener Grundriss ermöglicht Sicht- und Kommunikationsbeziehungen über mehrere Ebenen hinweg und schafft ein durchlässiges Raumgefüge ohne starre Hierarchien. Unterschiedliche Grade von Öffentlichkeit überlagern sich und ermöglichen vielfältige Formen der Aneignung.
Die räumliche Organisation folgt einer klaren Abstufung in öffentliche und halböffentliche Bereiche für informellen Austausch, halbprivate Besprechungsräume für Gruppenarbeit und private Separees für diskrete Gespräche
Die Teeküche als zentraler sozialer Knotenpunkt verbindet diese Bereiche und fördert spontane Begegnungen. Ergänzt wird das Raumangebot durch eine adaptive Bibliothek, die offen genutzt oder temporär abgeschirmt werden kann.
Gleichzeitig dient die Wissenschaftslounge als Ausstellungsraum für eine Sammlung von Einstein-Porträts. Die Exponate sind integraler Bestandteil des Raumes und begleiten die Nutzer:innen durch die unterschiedlichen Zonen. Einsteins Freiheitsgedanke, geprägt von Offenheit, Grenzüberschreitung und interdisziplinärem Denken, wird so räumlich übersetzt: Die Architektur wird selbst zum Medium eines offenen, dialogorientierten Wissenschaftsverständnisses.
Wir gratulieren den Preisträgern Pasztori Simons Architekten, studioeuropa und DFZ Architekten!
Visualisierung: grauwald studio, Berlin
Modellbau: Mijalski + Nasarian GmbH, Dortmund